Deutsche Bundesbank
Die Deutsche
Bundesbank ist, als bundesunmittelbare juristische Person des öffentlichen
Rechts, die Zentralbank der Bundesrepublik Deutschland. Sie hat ihren Sitz in
Frankfurt am Main und ist Teil des Europäischen Systems der Zentralbanken.
Geschichte
Die Deutsche Bundesbank wurde durch das Bundesbankgesetz vom 26. Juli 1957
gegründet und nahm am 1. August 1957 ihre Arbeit auf. Damit ist sie Nachfolgerin
der Bank deutscher Länder, der vorher eigenständigen Landeszentralbanken, sowie
der Berliner Zentralbank und damit von 1950 bis 2001 für die Geldausgabe in
Deutschland verantwortlich. Mit der Einführung des Euro ging die geldpolitische
Souveränität an die Europäische Zentralbank (EZB) über.
Organe bis 2001
Bis die Europäische Zentralbank (EZB) 2001 die volle Währungshoheit bekam,
hatte die Bundesbank drei Organe zu ihrer Steuerung. Der Zentralbankrat war das
oberste Organ der Bundesbank. Er setzte sich zusammen aus:
- Dem Direktorium, das aus dem Präsidenten, dem Vizepräsident und sechs
weiteren Mitgliedern des Direktoriums bestand. Diese acht Personen wurden von
der Bundesregierung vorgeschlagen.
- Den neun Präsidenten der Landeszentralbanken. Diese wurden vom Bundesrat
vorgeschlagen.
Das Direktorium war das geschäftsführende Organ der Bundesbank, während alle
währungspolitischen Beschlüsse im Zentralbankrat gefällt wurden.
Die Bundesbank heute
Die Deutsche Bundesbank besteht jedoch weiter. Ihre neuen Aufgaben wurden mit
dem 7. Gesetz zur Änderung des "Gesetzes über die Deutsche Bundesbank" vom 30.
April 2002 neu festgelegt.
Aufgaben
Sie wirkt bei der Erfüllung der Aufgaben des Eurosystems ESZB mit dem Ziel
der Preisstabilität mit und ist zuständig für die bankmäßige Abwicklung des
Zahlungsverkerhs im In- und Ausland. (§3 Bundesbankgesetz) Weiterhin wirkt die
Bundesbank an der (materiellen) Bankenaufsicht mit. Sie ist sowohl am baren
Zahlungsverkehr (nur gering) als auch am unbaren beteiligt. Beim
Großbetragszahlungsverkehr hat sie einen nicht unerheblichen Anteil sowohl an
den Beträgen als auch an der Menge der durchgeführten Zahlungen. Weiterhin führt
die Bundesbank unentgeltlich Zahlungsverkehrskonten für den Staat und seine
Untergliederungen. Sie setzt sich für ein stabiles Finanzsystem ein und arbeitet
in vielen Internationalen Organisationen mit. In manchen
Organisationen vertritt sie Deutschland sogar offiziell. Außerdem veranstaltet
die Bundesbank Seminare für die Zentralbanken der EU-Beitrittsländer und andere
Länder. Die Bundesbank verwaltet die Währungsreserven der Bundesrepublik und
einen Teil der Reserven der EZB. Weiterhin ist sie am Schuldenmanagement des Staats beteiligt.
Privatpersonen können in den Filialen unbegrenzt DM-Banknoten und -Münzen
gebührenfrei in Euro umtauschen.
Eine weitere Aufgabe der Bundesbank ist die Identifikation und Rekonstruktion
von vernichtetem Geld (Abteilung Service-Zentrum "Beschädigtes Bargeld" in
Mainz). Wenn beispielsweise jemand aus Versehen Geldscheine in den
Aktenvernichter gelangen läßt, dann kann sich derjenige an die Deutsche
Bundesbank wenden, die auch größere Mengen an zerkleinertem Bargeld wieder
zusammenpuzzelt und dann den entsprechenden Betrag kostenlos in verwendbares
Geld umtauscht. Auch zerfressene, vermoderte und verbrannte Scheine werden in
dem Service-Zentrum wieder rekonstruiert. Gerade bei Wohnungsbränden kann es
passieren, daß größere Bargeldmengen zu Asche werden. Mit Mikroskop und Pinzette
arbeiten 15 Mitarbeiter detektivisch an der Identifizierung dieser verbrannten
Scheine. Schicht für Schicht werden dann verbrannte Scheine freigelegt und nach
Anhaltspunkten auf den bisherigen Wert untersucht. Bereits ein Quadratmillimeter
genügt, um den Wert einer Banknote zu erkennen. Eindeutige Hinweise darauf geben
meist Zahlen, Blindenelemente, Silberfäden
oder Hologramme. Notenbanken in Europa ersetzen Banknoten in voller Höhe, wenn
der Kunde mehr als 50 Prozent der Banknote vorlegt oder wenn er weniger als die
Hälfte des Scheins hat und den Nachweis erbringt, daß der Rest vernichtet sei.
Diese Regelung soll verhindern, daß jemand einen beschädigten Schein zweimal
vorlegt.
Im Jahre 2004 erstattete die Bundesbank Scheine im Wert von 12,6 Millionen
Euro, darunter 2,6 Millionen D-Mark in der alten Währung. Fast 18.900 Anträge
wurden bearbeitet, 1.390 Fälle abgelehnt. Eine spezielle Ausbildung für die
detektivische Identifizierung vernichteter Banknoten und Münzen gibt es
nicht.
Der größte Auftrag für das Service-Zentrum resultierte bislang aus einer
Straftat. Es ging dabei um die Oetker-Millionen aus der Oetker-Erpressung, von
denen 12.558 Tausendmarkscheine im Jahre 1997 überraschend wieder auftauchten.
Das Lösegeld war jahrelang vergraben, Feuchtigkeit und Insektenfraß hatten die
Scheine entstellt. Die Bundesbank ersetzte der Oetker-Familie knapp 13 Millionen
Mark.
Hochkonjunktur hat das Mainzer Service-Zentrum der Bundesbank meist im
Januar. Dann nämlich kommen die an den Weihnachtsfeiertagen verbrannten
Geldscheine dort an. Die Fälle sind dahingehend vielfältig; beispielsweise wenn
ein Weihnachtsbaum Feuer fängt, erwischt es meist auch die Geschenke und Bargeld
verbrennt. Auch zerrissene Geldumschläge oder im Kamin verstecktes Bargeld sind
häufige Ursachen für den Einsatz des Bundesbank-Service-Zentrums.
Aufbauorganisation
Sie unterhält in den Bundesländern neun Hauptverwaltungen, die ehemaligen
Landeszentralbanken. Sie hat in ihren 66 Filialen 12.998 Mitarbeiter [1]. Bis Ende 2007 sollen 21
Filialen und 4.730 Arbeitsplätze abgebaut werden. Die Filialen stehen den Banken
und den öffentlichen Verwaltungen für die Bargeldversorgung und die Abwicklung
des bargeldlosen Zahlungsverkehrs zur Verfügung.
Präsidenten der Deutschen Bundesbank bzw. deren Vorgängereinrichtungen seit
1948
- 1948–1957: Dr. Karl Bernard, Vorsitzender des Zentralbankrats der Bank deutscher Länder
- 1948–1957: Dr. Wilhelm Vocke, Präsident des Direktoriums der Bank deutscher
Länder, ab 1. August 1957 Präsident der Deutschen Bundesbank
- 1958–1969: Dr. Karl Blessing, Präsident der Deutschen Bundesbank
- 1969–1977: Dr. Karl Klasen, Präsident der Deutschen
Bundesbank
- 1977–1979: Dr. Otmar Emminger, Präsident der Deutschen
Bundesbank
- 1980–1991: Dr. h. c. mult. Karl Otto Pöhl, Präsident der Deutschen
Bundesbank
- 1991–1993: Helmut Schlesinger, Präsident der Deutschen Bundesbank
- 1993–1999: Dr. Dr. Hans Tietmeyer, Präsident der Deutschen Bundesbank
- 1999–2004: Ernst Welteke, Präsident der Deutschen Bundesbank
- 2004: Dr. Jürgen Stark, Interimsvorsitzender
- 2004 – heute: Dr. Axel A. Weber, Präsident der Deutschen Bundesbank
Organe heute
Der Vorstand ist das oberste Organ der Bundesbank. Es setzt sich zusammen
aus:
- Dem Präsidenten, dem Vizepräsident und zwei weiteren Mitgliedern des
Vorstands. Diese vier Personen werden von der Bundesregierung vorgeschlagen.
- Vier weiteren Mitgliedern des Vorstands. Diese werden vom Bundesrat
vorgeschlagen.
Bestellt werden alle Mitglieder des Vorstands vom Bundespräsidenten, i. d. R.
für acht Jahre, mindestens aber für fünf Jahre.
Weblinks
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Deutsche Bundesbank
aus der freien Enzyklopädie Wikipedia |